Frau lädt ein E-Auto vor einem Einfamilienhaus.

Flexibilität, die sich lohnt

Die neue Netzentgeltstruktur belohnt flexibleres Verhalten. Wer seine Spitzenlasten verteilt, profitiert von der neuen Tarifgestaltung.
14. Oktober 2026

Es sind spannende Zeiten in der Energiewirtschaft und damit auch für Netzbetreiberinnen. Um den Umbau des Energiesystems von einer fossilen Grundlage in eine elektrische zu transformieren, braucht es ein starkes und verlässliches Stromnetz. In Niederösterreich setzen wir große Anstrengungen an diesen Umbau. Zum einen wird das Netz durch bauliche Maßnahmen verstärkt, zum anderen suchen wir nach Wegen das bestehende Netz optimal ausnutzen zu können. 

Eine dieser Möglichkeiten ist es das Stromnetz möglichst effizient zu nutzen und extreme Spitzen zu vermeiden beziehungsweise abzuflachen. Künftig wird neben dem Stromverbrauch auch die tatsächlich beanspruchte Leistung stärker berücksichtigt

Die Reform der Netzentgelte durch die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V) bietet die Basis für Anreize die eigene Rechnung mitzugestalten. Die Netzbetreiber können die Verordnung zwischen 1.1.2027 und 1.7.2028 umsetzen. Die konkreten Tarife sind aktuell noch ausstehend und werden von der E-Control in einer eigenen Verordnung festgelegt.

Mittelfristig wird das Verhältnis Arbeitspreis zu Leistungspreis 50:50 sein. Gemessen wird der Leitungspreis über die Smart Meter Energiewerte. Ausschlaggebend wird der jeweils höchste gemessene 15-Minuten-Wert des Monats sein. 

Konkret bedeutet das für Konsumentinnen und Konsumenten: Wer hohe Leistungsspitzen durch zeitliche Verschiebung der Verbräuche vermeidet, kann Netzkosten senken.

Der Stromverbrauch beschreibt die insgesamt benötigte Strommenge, Leistung den gleichzeitigen Strombezug. Für die Dimensionierung des Stromnetzes sind vor allem Leistungsspitzen entscheidend. Werden beispielsweise mehrere größere Geräte gleichzeitig betrieben oder zusätzlich ein Elektroauto geladen, entsteht eine höhere Netzbelastung als bei zeitversetzter Nutzung. Merksatz: Nicht nur die verbrauchte Strommenge zählt, sondern auch, wie viel Strom gleichzeitig benötigt wird.

Einache Maßnahmen

Was bedeutet das nun für Kundinnen und Kunden? Kurz gesagt: wer seine Verbräuche verteilt, profitiert. Zusätzliche Investitionen sind dafür zunächst nicht erforderlich. Wer seinen Verbrauch kennt und Leistungsspitzen vermeidet, kann seine Netzkosten künftig aktiv beeinflussen.

Schon einfache Maßnahmen können helfen, Leistungsspitzen zu vermeiden:

  • größere Verbraucher zeitlich versetzt nutzen
  • E-Auto mit geringerer Ladeleistung laden (nicht mit 11 kW sondern 5 kW)
  • Wärmepumpe, Speicher und andere Großverbraucher möglichst gleichmäßig betreiben
  • PV-Strom direkt nutzen bzw. Batteriespeicher gezielt einsetzen
  • Verbrauchs- und Leistungswerte regelmäßig im Netzportal beobachten
Grafik zu Lastspitzen und deren Vermeidung

Jetzt schon vorbereiten

Grundlage für die Messung sind die 15-Minuten Energiewerte durch den Smart Meter. Neben dem Stromverbrauch wird künftig auch die höchste innerhalb eines Monats gemessene Leistung berücksichtigt. Maßgeblich ist der höchste über 15 Minuten gemessene Durchschnittswert. Das heißt aber nicht, dass kurzzeitige Leistungsspitzen wie sie zum Beispiel mit einem Wasserkocher für wenige Minuten vorkommen, automatisch zu einem höheren Abrechnungswert führen. Vielmehr wird ein Mittelwert dieser Viertelstunde herangezogen, der für Abrechnung relevant ist.

Gleichmäßiger Strombezug wird günstiger, ausgeprägte Leistungsspitzen werden stärker berücksichtigt. Wer größere Verbraucher zeitlich versetzt nutzt, kann seine Netzkosten aktiv senken. Die konkreten Tarifhöhen werden von der E-Control erst in einer eigenen Verordnung festgelegt. 

Es empfiehlt sich daher jetzt schon einen Blick in das Smart Meter Portal zu werfen und sich mit den eigenen Verbrauchsgewohnheiten zu beschäftigen. Vielleicht sind es kleine Veränderungen in den täglichen Routinen, die sich am Ende des Monats bezahlt machen.

Für einen durchschnittlichen Haushaltskunden ohne leistungsstarke Anwendungen wird es keine Änderungen geben. Durch Anpassungen im Verbrauchsverhalten können jedoch auch bei leistungsstarken Anwendungen die Netzkosten gedämpft werden. Mit den Übergangsfristen und der schrittweisen Erhöhung des Leistungspreisanteils soll ausreichend Zeit für Vorbereitungs- und Anpassungsmaßnahmen geschaffen werden.

Die Top 5 nach Spitzenleistung

Durchlauferhitzer (3,5-27 kW)

E-Auto Wallbox (11 kW)

Wärmepumpe (1,5 - 9 kW)

Elektroherd/Kochfeld (4-13 kW)

Backofen (2-3,5 kW)